Streitpunkt Polder Elisabethenwört

Streitpunkt Polder Elisabethenwört

Aus der BNN vom 8. Oktober 2014

Streitpunkt Polder Elisabethenwört

Große Skepsis im Gemeinderat Philippsburg und Ortschaftsrat Rheinsheim

Philippsburg – Rheinsheim (ber) . „Jetzt auch noch der Polder Elisabethenwört“, klagten die Philippsburger Stadträte zusammen mit den Ortschaftsraten aus Rheinsheim. Derzeit
bekomme die Stadt Philippsburg alles ab: Zwischenlager, Castoren-Transporte, Konverter, Windpark – und jetzt noch der Polderbau.

Nunmehr ist das Problem Nummer fünf an der Reihe: Im Zuge des Integrierten Rheinprogramms ist in Elisabethenwörth ein sogenannter Retentionsraum auf einer
Fläche von 400 Hektar und mit einem Rückhaltevolumen von etwa zwölf Millionen Kubikmetern geplant.

Über den derzeitigen Planungsstand informierten gleich drei Vertreter des Regierungspräsidiums Karlsruhe den Gemeinderat, den Ortschaftsrat und die betroffene Bevölkerung in Rheinsheim. Retentionsräume sind die an den Flüssen und Bächen seitlich gelegenen Flächen, auf denen sich bei Hochwasser das Wasser ausbreiten und ansammeln kann. In diesem Fall geht es um die bei der Tulla-Rheinbegradigung entstandene Insel, vier Quadratkilometer groß, die vom Rhein und dem Rußheimer Altrhein umschlossen ist, die intensiv land- und forstwirtschaftlich genutzt wird und hauptsächlich zur Gemarkung Philippsburg gehört.

Zum Unmut der betroffenen Bürger und Verantwortungsträger soll hier ein großer Rückhalteraum geschaffen werden. Dazu liegen alte Voruntersuchungen aus dem Jahr 1992 vor. Insgesamt gebe es sechs mögliche Varianten: eine kleine, mittlere und große – als ungesteuerter Retentionsraum in Form einer Deichrückverlegung und in Form eines
Polders. 2014 ist die Wiederaufnahme der Planungsarbeiten angesagt „Wir versichern eine ergebnisoffene Untersuchung der Varianten“, betonte Projekt-Managerin Silke Tänzel. „Der Polder kommt. Wir reden nur noch über die Variante“, machte die Behörde deutlich: nicht unbedingt zur Freude der rund 100 Zuhörer, die mehr als nur vage Aussagen und festgezurrte Positionen erwartet hatten.

Gleich mehrere Gründe spielen für die ablehnende Haltung der Bürgervertreter eine Rolle: so die mögliche Vernichtung der kompletten land- und forstwirtschaftlichen Flächen, die Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel in Rheinsheim und die Ausweitung des
Schnakenproblems. Immer wieder musste sich das Karlsruher Trio am Verwaltungstisch heftige Kritik gefallen lassen. Mit der Rheinschatzinsel habe Philippsburg bereits genügend
Fläche zur Verfügung gestellt, hob Joachim Pöschel (SPD) hervor.

CDU -Sprecher Hans-Gerd Coenen forderte einen gerechten Lastenausgleich. „Nicht alles zu Lasten unserer Bürger!“ Auch Freie Wähler und Uli’s stellten und stemmten sich gegen die Pläne. Zu‘ den Forderungen aus‘ der Bürgerschaft gehörte, die Planungen einzustellen. Bürgermeister Martus forderte die Untersuchung der „Null-Variante“, die nur eine Dammerhöhung entlang des Rheins vorsieht. Erst im äußersten Notfall erfolge dann eine Öffnung. „Der Rhein benötigt mehr Platz und Raum, um gefährliche Hochwasserspitzen abzumildern und dadurch Milliardenschäden zu verhindern“, heißt es in der Begründung der Hochwasserschutzmaßnahme.
Elisabethenwört ist einer der 13 Rückhalteräume des Integrierten Rheinprogramms mit insgesamt 167 Millionen Kubikmeter. Einen Schritt weiter ging der christdemokratische Fraktionschef Coenen. Er forderte eine Vorlage der Verwaltung an den Gemeinderat: Wo wird bereits gegen einen Polderbau im Land geklagt?

BNN_14-10-06Werner Schmidhuber