Letzte Spuren des Kalten Krieges verschwinden

Letzte Spuren des Kalten Krieges verschwinden

Aus der BNN vom 22. Oktober 2014

Letzte Spuren des Kalten Krieges verschwinden

Konversion von Salmkaserne und Munitionsdepot vor dem Abschluss / Großteil der Fläche wird zu Wald

Von unserem Mitarbeiter Werner Schmidhuber

Philippsburg. Was macht ein Unternehmen im Bereich der Bioenergie mit 22 Munitionsbunkern, zwei Atombunkern, 30 unterirdischen Bunkern, mit zwölf Mannschaftsgebäuden, – einem ehemaligen Wach- und Sicherheitszentrum, einer Sanitätsstation?
Dies alles und noch viel mehr befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Bundeswehrkaserne Philippsburg und des Munitionslagers in der benachbarten Molzau. Mit Hilfe dieser Anlagen auf einer Gesamtfläche von 57 Hektar wurde, wie es damals hieß, die Freiheit verteidigt. Doch inzwischen sind die letzten Spuren des Kalten Krieges und des Ost-West-Wettrüstens bis auf wenige Überbleibsel beseitigt. 21 der 24 massiven Bunker im Waldgebiet Molzau, in denen zum Teil Atomsprengköpfe gelagert waren, gibt es nicht mehr.
Vogelgezwitscher statt Waffenarsenal: Aus dem 20 Hektar großen Munitionslager ist Naherholungsgebiet geworden, ein friedliches Stück Philippsburger Stadtwald, in dem wieder eine artenreiche Tierwelt Zuhause ist. Einen der drei übrig gebliebenen Bunkerkolosse bekommt der städtische Bauhof, einer wird dem Forst vermacht, ein Betonklotz dient jetzt als gastliche Fledermausherberge. Gut 75 Prozent der ehemaligen Straßen und Wege durch das Hochsicherheitsgebiet sind inzwischen entsiegelt. (Die Bruchsaler Rundschau berichtete.)
Auch auf dem nahe gelegenen 37 Hektar großen Areal der ehemaligen Salmkaserne werden die Bauten dem Erdboden gleichgemacht, der Steinbruch recycelt und als Auffüllmaterial vor Ort verwertet. 65 Prozent der Abbrucharbeiten sind laut der Philippsburger Verwaltung bereits unter Dach und Fach. Auf einem knapp zwölf Hektar großen Abschnitt entsteht auch ein thermisches Blockheizkraftwerk, wofür 2,5 Hektar Fläche vorgesehen sind, wie zu erfahren war.
Für Geschäftsführer Stefan Gredler von „Bioenergie Nordbaden“ ist eine, wie er mit Stolz sagt, „äußerst erfolgreiche Konversion“ vonstattengegangen. In der Molzau sind bereits drei Hektar neu aufgeforstet. Bis zum Sommer 2015 sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein. Der Großteil wird als Wald zurückgebaut und kann bei Bedarf als Ausgleichsmaßnahme verwendet werden. Dafür gebe es hohe „Ökopunkte“ , so ist zu erfahren. In einem ersten Teilbereich sind die Anpflanzungen erfolgt, so um die 6 000 Jungbäume. Die Kosten für den Munitionsdepot-Rückbau beziffert Bürgermeister Stefan Martus mit rund drei Millionen Euro, die Ausgaben für die Nutzbarmachung des Kasernengeländes auf dieselbe Summe. Doch diese Arbeiten führe die Firma Gredler selbst aus, die auch die Finanzierung bestreite. Seit den ‚Bundeswehr-Standortschließungen 1997 stand die gesamte Salmkaserne mit 37 Hektar zum Verkauf an. Etwa 25 Hektar sind inzwischen im Besitz der Philippsburger Firma RFL (Reifen, Felgen, Logistik). Rund zwölf Hektar Betriebs-, Aufbereitungs- und Lagerfläche gehören dem Grundstückspartner „Bioenergie Nordbaden“, eine „energetische Tochter“ von Gredler & Söhne aus Karlsdorf-Neuthard. Insbesondere sind diese auf dem Sektor der Baumpflege, der Baufeldräumung und der Landschaftspflege tätig.

 

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