CDU hoffte auf freiwilligen Rückzug

CDU hoffte auf freiwilligen Rückzug

Aus der BNN vom 14. Oktober 2014

CDU hoffte auf freiwilligen Rückzug 

Kreisverband will Martus aus Partei ausschließen

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Streib

Philippsburg.

Der Philippsburger Bürgermeister und CDU-Politiker Stefan Martus muss sich einem Parteiausschlussverfahren stellen. Denn der CDU-Kreisverband Karlsruhe-Land hat offiziell ein Parteiausschlussverfahren gegen den Rathauschef und Kreisrat eingeleitet. Das bestätigte Kreischef Daniel Caspary gestern. Nun muss ein Parteigericht entscheiden.
Es geht um die Frage, ob Martus der Partei schadete, indem er bei der vergangenen Kreistagswahl nicht für seine Partei CDU kandidierte, sondern für die neu gegründete Unabhängige Liste Philippsburg (Uli). Der Antrag für das Parteiausschlussverfahren war vom Philippsburger CDU-Stadtverband ausgegangen, wie Stadtverbandsvorsitzender Matthias Hutter der Bruchsaler Rundschau sagte.
Viele langjährige Mitglieder seien auf die Vorstandschaft zugekommen, weil sie verärgert über die Kandidatur bei einer konkurrierenden Liste gewesen seien. „Einige haben zu mir sinngemäß gesagt: Entweder ihr sanktioniert das, oder ich trete aus“, erklärte Hutter. Nach Rundschau-Informationen hatte sich Martus, der als unabhängiger Kandidat in den Kreistag gewählt wurde, zunächst um eine Aufnahme in die Kreistagsfraktion bemüht.
Dies habe die Fraktion aber abgelehnt, sagte CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Ulli Hockenberger. Martus habe sich vor der Wahl schließlich klar von der CDU distanziert. Der Beschluss, ein Parteiausschlussverfahren gegen Martus einzuleiten, fiel bereits vor der Sommerpause.
Dass der Vorgang erst jetzt öffentlich wird, dürfte auch damit zusammenhängen, dass man in der CDU-Führung auf einen freiwilligen Rückzug von Martus gehofft hatte. Der Rathauschef – gestern auf Dienstreise – sieht seine politische Heimat aber offenbar weiter bei der CDU. Er habe sich um eine Aufnahme bei der CDU in St. Leon-Rot bemüht, so war zu hören. Dort sind Martus‘ politische Wurzeln. Zuständig wäre dann der CDU-Kreisverband Rhein-Neckar.

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